Reinhard Staubach

Ich wurde auf dem ehemaligen Rittergut Starnitz in Hinterpommern geboren. Jenes herrliche Land hatten die Mächtigen damals bereits den Polen zugesprochen. Folglich wurde für mich vom Standesamt Debnica Kaszubska powiat Slupsk (zuvor Rathsdamnitz Kreis Stolp) eine polnische Geburtsurkunde ausgestellt.

Der elektrische Strom war an meinem Geburtstag im Frühjahr 1947 ausgefallen und alle Kerzen niedergebrannt, was für mich vielleicht von Vorteil war. Denn noch bevor ich den Mund auftun konnte, erhielt mein »helles« Köpfchen eine intensive Kopfmassage, wie meine Mutter berichtet. Die nächtliche Beleuchtung war erbärmlich. An einem klebrigen Kienspan flackerte ein rußiges Flämmchen. Die unausgebildete Geburtshelferin behauptete, die Fruchtblase sei noch nicht geplatzt. Deshalb knetete und zwickte sie das, was sie dafür hielt, mein edles Haupt. Am Montagmorgen wurde es mir schließlich zu bunt und ich protestierte gegen halb sechs Uhr laustark gegen jene Behandlung.

Im frischen Wind der Ostsee wuchs ich auf, was mir aber nicht bewusst war. Denn in Kindertagen spielte ich nur ein einziges Mal im weißen Sandstrand bei Stolpmünde, heute Ustka. Feldarbeiter in Starnitz hatten damals einen "Trecker" organisiert und einen offenen Ladewagen angehängt, auf den sich die Ausflügler hockten. Ich war acht Jahre alt und die Reise dauerte eine Ewigkeit. Hinten am Wagen ließ ich die Beine baumeln und gewann den Eindruck, es sei unheimlich weit bis zur Ostsee. Tatsächlich stuckerten wir nur eben über 30 Kilometer, bis ich das erste Mal die Brandung sah. Später erfuhr ich durch meine Ahnenforschung, dass ich in Stolpmünde seefahrende Vorfahren hatte. Von Stolpmünde waren sie in See gestochen und hatten die Weltmeere gesehen. Möglicherweise verdanke ich ihnen meine Reiselust.

Während ich die Kinderjahre in Polen erlebte, genoss ich die Jugend im norddeutschen Glückstadt an der Elbe. Im Frühjahr 1958 war die Familie als Spätaussiedler in die Bundesrepublik Deutschland umgesiedelt. Dort besuchte ich die Volksschule und vollendete im nahen Elmshorn die Lehre zum Elektromechaniker. Für das Leben eines Handwerksgesellen mochte ich mich nicht entschließen. Der Zweite Bildungsweg lockte. Die Fachschulreife erwarb ich in Hagen. Um die Hochschulreife zu erlangen, verschlug es mich nach Bielefeld, machte das Abitur jedoch in Oberhausen.

Oft schon hatte ich mich verliebt. Dann geschah es jedoch so heftig, dass ich zu der bezaubernden Lady nach Baden-Württemberg zog. Wir heirateten und ich studierte an der Universität Mannheim Germanistik und Erziehungswissenschaft. Zuvor, zwischendurch und in den Semesterferien jobbte ich in unterschiedlichen Unternehmen und fuhr auch zur See (Große Fahrt). Während zwei Jahrzehnten Berufstätigkeit im Führungsmanagement, reiste ich oft durch Europa und lebte zeitweise in Frankreich. Seit 1994 wohne ich im herrlichen Oberschwaben, nahe am Bodensee. Aus meiner ersten Ehe mit Heidi gingen vier Kinder hervor, zwei Buben und zwei Mädel (Sid, Bo, Rachel und Tabea). Später ehelichte ich Monika, und bis 2011 war ich mit Georgia verheiratet.

Ich glaube an den ursprünglichen christlichen Gott, dem ich meine Existenz verdanke und der am Fortschritt des Individuums interessiert ist. Der Mensch kann sich nicht dafür entscheiden, an nichts zu glauben. Aber er kann entscheiden, woran er glaubt - auch an das Nichts. Daran zu glauben, dass unsere wunderschöne Erde mit allen Geschöpfen und deren Möglichkeiten zufällig entstanden sein soll, ist nicht meine Sache. Mein kreatives Schaffen hat mich darin bestärkt, dass hinter einem guten Werk immer ein Schöpfer steht. Ich bin Mitglied der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (auch Mormonen genennt). - Die schönen Künste begeistern mich. Musik, Malerei, Theater, Film und natürlich Literatur stehen mir besonders nahe. Auch mit Ahnenforschung beschäftige ich mich und verfolge unverdrossen die Spuren meiner Vorfahren.

Bücher entdeckte ich erst im Alter von zwölf Jahren. Zuvor las und schrieb ich nur, wenn es in der Schule verlangt wurde. Mit Werken von Karl May nahm meine bescheidene Privatbibliothek ihren Anfang. Gleichzeitig entstand auch der Wunsch, selber zu schreiben. Doch meine Leistungen im Deutschunterricht waren miserabel, worunter das Vorhaben enorm litt und zeitweise gänzlich unter ging. Aber regelmäßig wie die Sonne erschien der große Wunsch immer wieder und durchbrach schließlich die schwärzesten Wolken.

Neben meinen Büchern wurden viele Erzählungen und Kurzgeschichten in Zeitungen und Literaturzeitschriften in Deutschland, Österreich, Frankreich und der Schweiz publiziert.

www.reinhard-staubach.de
Aktualisiert: Montag, 10-Feb-2014
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